Die 8 häufigsten Stillprobleme und ihre Lösungen

Die meisten Stillprobleme haben ganze einfach Lösungen. Hier zeige ich dir 8 häufigsten Ursachen und die wirklich einfachen Lösungen.

Wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis umhöre, habe ich das Gefühl, der Trend geht wieder in Richtung langes Stillen.

Noch ein, zwei Generationen vor uns waren die Mamas stolz auf die neusten industriellen Errungenschaften: Babynahrung aus dem Supermarkt.

Dieser Trend hat sich zum Glück umgekehrt. Sillen ist wieder in. Aber Stillen bringt halt immer auch ein paar Stillprobleme mit sich. Ich habe mich mal zurück besonnen an meine eigene Stillzeit mit meinem Sohn. Und ja, die eine oder andere Komplikation trat schon auf.

Statt zu Trinken schreit mein Baby nur

Da ist das Baby nun. So niedlich und süß. Doch statt zu trinken, schreit es. Das war manchmal auch bei meinem Noah so. Und eigentlich trifft es jedes Baby.

Die Schwierigkeit ist, herauszufinden warum das Baby schreit. Denn das einzige Zeichen, das es von sich geben kann, ist halt nun mal Schreien. Dieses kann vielfältige Gründe haben, zum Beispiel:

  • Dein Baby ist erschöpft, hat keine Kraft zum Saugen.
  • Deine Milchmenge ist reduziert. Dein Baby bekommt zu wenig Milch und muss über seine Kräfte saugen.
  • Die Nase ist verstopft. Beim Trinken kann es dann nicht mehr durch den Mund atmen und bekommt keine Luft mehr.
  • Deine Muttermilch hat sich geschmacklich verändert. Dein Baby mag die Milch nun nicht mehr. Das kann sein wenn du zum Beispiel Zwiebeln oder Knoblauch gegessen hast.
  • Dein Baby ist am Zahnen. Es hat Schmerzen.
  • Dein Baby hat sich an der Milch verschluckt.

Die Liste kann man wohl noch beliebig ergänzen. Leider gibt es nicht für jedes Weinen eine Lösung. Oft hilft nur Trost und Geduld. Einige Tipps helfen aber trotzdem:

  • Versuchs mit der Flasche. Dein Baby benötigt dabei viel weniger Kraft zum Saugen als an deiner Brust.
  • Fülle in die Flasche bereits früher abgepumpte Milch. Falls du wirklich grad einen Knoblauchsalat mit Zwiebeln gegessen hast 🙂
  • Putz deinem Baby das Näschen, falls dieses verstopft ist.
  • Kuscheln hilft. Schenke deinem Baby eine Extra-Portion Zuneigung.
Manchmal gibts einfach nur Tränen. Selbst bei der besten Mama und dem liebsten Baby.
Manchmal gibts einfach nur Tränen. Selbst bei der besten Mama und dem liebsten Baby.

Ich habe zu wenig Milch

Besonders am Anfang haben viele Mütter das Gefühl, sie hätten zu wenig Milch. Bist du selbst noch etwas unsicher und dein Baby scheint ständig Hunger zu haben? Einige verlangen alle 45 Minuten nach der Brust. Doch das heißt nicht, dass du zu wenig Milch hast und nicht richtig Stillen kannst.

Im Getenteil: Im ersten Lebensmonat ist es sogar wichtig, dass du dein Kleines oft stillst. So wird deine Milchproduktion angeregt und aufgebaut. Das ist die Basis für eine langfristig gute Milchproduktion.

Einige Tipps, um deine Milchproduktion zu steigern:

  • Viel Hautkontakt mit deinem Baby. Denn das fördert die Milchproduktion.
  • Die richtige Stillposition kann die Milchmenge entscheidend erhöhen.
  • Benutze Power-Pumping.
  • Nimm Milchbildende Produkte zu dir. Zum Beispiel Bockhornklee, Zimt, Koriander, Kreuzkümmel oder Fenchelsamen.
  • Massiere deine Brüste leicht (Brustkompression).

Die meisten Mamas produzieren genug Muttermilch. Wenn es doch zu wenig ist, dann verliert dein Baby mehr Flüssigkeit, als es durchs Stillen zu sich nehmen kann. Folgende Anzeichen sind dann typisch:

  • Dein Baby verliert anfangs mehr Gewicht als erwartet.
  • Die Windeln deines Neugeborenen sind kaum nass.
  • Dein Neugeborenes hat eingesunkene Augen.
  • Das Baby bringt beim Weinen kaum Tränen hervor.
  • Der Mund deines Babys ist trocken, die Lippen verklebt.
  • Dein Baby wirkt apathisch.

Wenn eines oder mehrere der obigen Anzeichen zutreffen, dann frage deine Hebamme oder Doula zeitnah um Rat.

Mein Baby will nicht nach Stillplan trinken

Hmmm…. Ist das wirklich ein Stillproblem? Viele Ratgeber und Bücher beschreiben, wie das Baby an einen festen Stillplan zu gewöhnen ist. Aber Achtung: Einen Stillplan solltest du – wenn überhaupt – nur für ältere Babys anwenden. Zum Beispiel wenns ums Abstillen geht. Aber auch das ist sehr umstritten. Und ich möchte hier keine Empfehlung dafür abgeben.

Für Neugeborene wäre ein fester Stillplan fatal. Denn im Mutterleib konnte das Baby 24/7 trinken. Wann immer es wollte. Auch ist der Magen eines Neugeborenen noch sehr klein. Deswegen kann es nur kleine Mengen zu sich nehmen. Es trinkt entsprechend wenig, dafür oft.

Vergiss also den Stillplan bei deinem Neugeborenen. Denn das wichtigste ist: dein Baby soll schnell wachsen und Abwehrkräfte entwickeln. Dafür ist ein häufiges und ausschliessliches Stillen wichtig.

Meine Brustwarzen sind wund

Neugeborene wollen rund 12 Mal pro Tag gestillt werden. Das hinterlässt schon mal die eine oder andere wunde Brustwarze. Was kann ich tun? Wie kann ich weiterhin richtig stillen?

Oft ist der Grund für entzündete Brustwarzen eine ungünstige Stillposition. Überprüfe, ob dein Kind die Brustwarze richtig erfasst. Es sollte den größten Teil des unteren Brutwarzenhofs in den Mund nehmen. Dabei berührt deine Brustwarze den Gaumen des Kleinen und wird unten von der Zunge umschlossen. Versuche es doch mal mit einer der folgenden Stillpositionen:

Die vier besten Stillpositionen
Die vier beliebtesten Stillpositionen

Vielleicht liegt es auch nicht an der Stillposition. Dann versuche doch mal die folgenden Tricks:

  • Falls du Schlupfwarzen hast (auch Flach- oder Hohlwarzen genannt), ist es sinnvoll Brustwarzenformer* in den BH einzusetzen. Durch den leichten Druck, den sie ausüben, werden die Brustwarzen hervorgeholt. Das erleichtert dir das Stillen.
  • Damit sich deine Brustwarzen nicht entzünden, ist es ratsam, sie nach dem Stillen mit Wasser abzutupfen und an der Luft trocknen zu lassen. Wunde oder trockene Haut kannst du mit ein paar Tropfen Muttermilch abtupfen. Das wirkt entzündungshemmend und beruhigt.
  • Auch Stillhütchen* sind eine schonende Lösung. So bekommt dein Baby einen größeren und festeren Ansatzpunkt zum Saugen.

Verstopfter Milchkanal mit Mastits

Fast jede stillende Mama ist mal von diesem Sillproblem betroffen: Ein Milchkanal verstopft. Ich wurde davor auch nicht verschont. Ungefähr nach drei Monaten bildete sich plötzlich eine kleine, aber ziemlich empfindliche Verhärtung an der linken Brust. Abhilfe tat dann folgendes:

  • Leichte Massage des betroffenen Bereichs während des Stillen.
  • Warme Waschlappen auf die Brust legen.
  • Sonstige Wärmebehandlung der Brust. Zum Beispiel ein warmes Bad oder eine Dusche.
  • Lass dein Baby die verstopfte Brust möglichst leer trinken. Das löst die Verstopfung auf.
  • Pumpe die Milch in der betroffenen Brust ab.

Wenn du die Verstopfung nicht auflösen kannst droht sich eine Mastitis zu entwickeln. Eine Mastitis kann natürlich auch andere Ursachen haben. Eigenschaften einer Mastitis sind jedoch immer ähnlich:

  • Die Brust ist rötlich entzündet und schmerzt.
  • Die Brust ist geschwollen.
  • Du fühlst dich unwohl.
  • Eventuell hast du Fieber.

Bei diesen Symptomen sind entzündungshemmende Massnahmen angezeigt. Kühlpackungen, Kamillenwickel oder entzündungshemmende Medikamente können Abhilfe schaffen.

Wenn nicht innerhalb von kurzer Zeit Besserung eintritt, ist ein Arztbesuch angebracht. Denn eventuell ist die Ursache bakteriell. Dann müssen Antibiotika her.

Mastitis verursacht schmerzen in der Brust.
Eine Mastitis kann ganz schön fiese Schmerzen verursachen.

Meine Milch läuft aus

Häufig läuft in der ersten Zeit nach dem Milcheinschuss Milch aus der Brust aus. Das ist erstmal ganz normal. Also, kein Grund zur Panik. Du hast beim Stillen alles richtig gemacht.

Dass Milch ausläuft, kann in folgenden Situationen auftreten:

  • Dein Baby trinkt an der einen Brust. Und an der anderen Brust läuft Milch auch. Einfach so. Das war bei mir in den ersten Stillwochen auch der Fall.
  • Du bist unterwegs und irgendwo schreit ein Baby. Dein Körper reagiert instinktiv mit Milcheinschuss.
  • Du schläfst auf dem Bauch.

Tagsüber ist es ratsam, Stilleinlagen zu benutzen. Du legst sie einfach vor die Brustwarze in den BH. Ob du dabei Einwegstilleinlagen oder waschbare Mehrwegstilleinlagen verwendest, ist Geschmackssache.

Eine andere Möglichkeit sind Milchauffangschalen, die sich ebenfalls in den BH einsetzen lassen. So wird kein Tropfen Muttermilch verschenkt. Du musst sie alle paar Stunden wechseln. Wie du die aufgefangene Milch aufbewahrst, erkläre ich dir in unserem Hauptbeitrag zum Thema Muttermilch aufbewahren.

Ich habe zu viel Milch

Eine zu hohe Milchproduktion nennt man Hyperlaktation. Sie kann zu Stillproblemen führen, da deine Brüste ständig geschwollen sind und sich unangenehm anfühlen. Wahrscheinlich läuft auch ständig Milch aus. Durch zu hohe Milchmenge kann sich dein Baby zudem verschlucken.

Was kannst du tun, um deinen Milchspendereflex herunterzufahren?

  • Streiche vor jeder Stillmahlzeit etwas Milch aus.
  • Verzichte auf Abpumpen von Milch. Denn Abpumpen fördert die Milchbildung. Wenn es wegen den Beschwerden nicht ohne Abpumpen geht: Pumpe so wenig wie nötig ab.
  • Trinke Salbei- oder Pfefferminztee. Das hemmt die Milchbildung.
  • Trinke weniger Flüssigkeit. Aber doch noch genug, damit dein Körper genügend Flüssigkeit erhält.

Ich bin total erschöpft

Es ist ganz normal, dass du nach einer Geburt Ruhe brauchst. Dein Körper muss sich erst einmal wieder erholen. Der Schlafmangel in der ersten Zeit tut sein übriges. Trotz Erschöpfung ist es aber wichtig, dein Baby richtig zu Stillen.

Vielleicht helfen dir folgende Tipps:

  • Versuche, dich so viel wie möglich auszuruhen.
  • Iss dazu gesund, frisch und vor allem regelmäßig.
  • Stille im Liegen. Dadurch bist du wesentlich entspannter. Und es wird viel weniger Druck auf Nähte, Kaiserschnittnarben oder andere schmerzempfindliche Stellen ausgeübt.
  • Konzentriere dich auf das Stillen und lass trotz Müdigkeit keine Stillmahlzeit aus. Dadurch ist dein Baby relaxed. Das wirkt sich auch beruhigend auf dich aus.
  • Bitte andere um Hilfe. Denn dein Partner, Familienangehörige oder Freunde sind bestimmt bereit, abwechselnd einzuspringen. Es gibt genug Dinge, die dir Freunde und Familie abnehmen können. Putzen. Waschen. Bügeln. Die Liste ist lang!
Entspanntes Stillen: So klappt es!

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