FAQ – 21 Fragen und Antworten rund ums Stillen

Hier findest du die wichtigsten Antworten rund ums Stillen. Zum Beispiel: Darf ich in der Stillzeit Kaffee trinken? Oder Wein und Bier?

Während meiner eigenen Stillzeit hatte ich immer ganz viele Fragen. Ist dies oder das normal? Oder muss ich mich sorgen?

Zum Beispiel wenns um Koffein geht. OK, ich oute mich als leidenschaftliche Kaffeetrinkerin. Ohne Latte Macchiato nach dem Aufstehen… Neee, das wäre kein Tag 🙂 Und nach dem Mittagessen ist der Espresso Pflicht. Auch am Nachmittag sinds noch 1-2 Tässchen.

Aber geht das auch in der Stillzeit? Solche und viele weitere Fragen begleiteten mich. Besonders als Noah ein neugeborenes Baby war.

Deshalb habe ich die folgenden FAQ zusammengetragen. Findest du darin deine Antwort? Wenn nicht, schreib mich an, denn die Liste soll wachsen: julia@wearemoms.de

Soll ich mein Baby stillen oder mit Pre oder Babynahrung füttern?

Alle wichtigen Gesundheitsorganisationen (allen voran die WHO) empfehlen Stillen mit Muttermilch. Und zwar ausschließlich bis mindestens zum Alter von 6 Monaten. Um danach bis mindestens 24 Monate teilzustillen. Das hat gute Gründe:

  • Muttermilch ist das beste Nahrungsmittel für dein Baby. Sie ist von der Natur so vorgesehen und perfekt auf die Bedürfnisse deines Babys abgestimmt.
  • Stillen fördert die Mutter-Kind-Bindung.
  • Mit der Muttermilch werden Antikörper, Enzyme und Hormone auf dein Baby übertragen. Da kann Babynahrung nicht mithalten.

Quelle: (3)

Welches ist die richtige Stillposition?

Bei der Stillposition gibt es kein richtig oder falsch. Es muss sich für dein Baby und dich bequem anfühlen. Und dein Baby muss in der Position gut trinken können.

Wenn deine Brustwarzen beim Stillen schmerzen, rissig oder sogar blutig werden, dann ist die Stillposition wahrscheinlich nicht ideal. Probiere mal eine andere Position. Zum Beispiel eine von diesen hier:

Die vier besten Stillpositionen

Wie lange / Wie viele Monate sollte ich mein Baby stillen?

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt

  • Mindestens 6 Monate ausschliesslich stillen. Also 6 Monate nur Muttermilch. Kein Babybrei oder feste Nahrungsmittel.
  • Im Alter zwischen 7 und 24 Monaten teilweise zu stillen. Teilweise bedeutet: Neben der Muttermilch kann du dein Kind nun auch mit Beikost (Babybrei oder fester Nahrung) füttern. (1)

Wie oft soll ich mein Neugeborenes pro Tag stillen?

Neugeborene sind sich aus dem Mutterleib gewohnt 24/7 Nahrung zu bekommen. Insbesondere in der ersten Woche solltest du deshalb ständig bereit sein, deinem Baby die Brust zu geben. Wahrscheinlich wird dein Baby dieses Angebot auch mehr als 12 Mal pro Tag annehmen.

Wie lange dauert eine Stillmahlzeit?

Wie lange ein Baby an deiner Brust liegt, ist sehr individuell. Sie ist auch vom Alter des Babys abhängig.

Neugeborene benötigen etwas länger. Meist zwischen 15 und 20 Minuten. Denn ganz junge Babys benötigen viel mehr Pausenzeit. Also Zeit, während denen sie nur an der Brust nuckeln und nicht trinken.

Etwas ältere Stillbabys können dagegen bereits nach 5 Minuten fertig sein.

Sollte ich meinem Baby mit 6 Monaten B(r)eikost geben? Ist es nicht besser, einfach weiter zu Stillen?

Tatsächlich ist Muttermilch das gesündeste Nahrungsmittel für dein Baby. Allerdings nimmt der Energiebedarf deines Babys stetig zu. Und mit ungefähr 6 Monaten übertrifft er das, was deine Brust in der Lage ist zu produzieren.

Deswegen: Mit 6 Monaten solltest du dein Baby beifüttern. Du darfst und sollst aber weiterhin Stillen. (3)

Wann darf ich meinem Kind zum ersten mal Babybrei geben?

Mit 6 Monaten kannst und solltest du deinem Baby erstmals Breinahrung geben. Wenn dein Baby in diesem Alter bereits feste Nahrung zu sich nehmen kann, dann kannst du den Brei auch weglassen. Und ihm direkt feste Nahrung geben. Ab 6 Monaten ist der Energiebedarf deines Babys bereits so hoch, dass deine Muttermilch alleine nicht mehr ausreicht. Ob du aber eine Stillmahlzeit durch den Brei oder andere Nahrung ersetzt oder den Babybrei zusätzlich fütterst und weiterhin wie gewohnt stillst, ist dir und deinem Baby überlassen.

Bis zum Alter von 24 Monaten kannst du dann nach und nach auch die weiteren Stillmahlzeiten ersetzen. Empfehlenswert ist es, dabei auf das Kind zu hören. Also erst eine Stillmahlzeit ersetzen, wenn die Initiative dazu vom Kind ausgeht.

Viele Mamas, besonders in der westlichen Welt, stillen allerdings vor 24 Monaten ab. Es gibt aber auch Mamas, die ihre Kinder länger als 24 Monate stillen.

Wie viele Breimahlzeiten benötigt mein Baby?

Die WHO empfiehlt:

  • 0-6 Monate: Nur Stillen (Kein Babybrei, keine andere Nahrung)
  • 6-8 Monate: Stillen plus 2-3x Beikost-Mahlzeit pro Tag
  • 9-23 Monate: Stillen plus 3-4x Beikost-Mahlzeit plus 1-2 kleine Snacks pro Tag

Quelle: (3)

Ich habe zu wenig Muttermilch. Was soll ich tun?

Zu wenig Milch ist zu Beginn der Stillzeit ganz normal. Es dauert ein paar Tage, bis die Brust sich auf ihre neue Aufgabe vorbereitet hat. Um die Milchproduktion zu fördern kannst du folgendes tun:

  • Viel Haut-zu-Haut-Kontakt mit deinem Baby.
  • Trinke viel. Besonders Tee mit Fenchelsamen, Zimt, Kreuzkümmel oder Brennessel.
  • Verwende die Technik des Power-Pumping.

Ich habe zu viel Milch. Was kann ich tun?

Wenn du während der Stillzeit mal eine kurze Phase mit zu hoher Milchproduktion hast, dann kannst du diese einfach Abpumpen und aufbewahren. Damit bist du gut vorbereitet auf mögliche Phasen mit zu niedriger Milchproduktion.

Anders ist es bei dauerhafter zu hoher Milchproduktion. Dies ist oft beim Abstillen der Fall. Hier wäre Abpumpen falsch, denn es erhöht dauerhaft die Milchmenge (Nachfrage bestimmt Produktion). In diesem Fall helfen folgende Tipps:

  • Trinke weniger. Sowenig wie möglich, aber soviel wie nötig.
  • Trinke Salbei- und Pfefferminztee. Oder nimm andere milchhemmende Nahrungsmittel zu dir.
  • Streiche überschüssige Milch aus, ohne sie abzupumpen.

Benötige ich eine Milchpumpe?

Wenn du dein Baby stillst, dann wahrscheinlich ja. Denn es wird immer mal Situationen geben, wo du dein Kind nicht stillen kannst. Zum Beispiel:

  • Du bist krank und kannst dein Baby nicht stillen.
  • Dein Job ruft dich und du kannst nicht bei deinem Baby sein.
  • Dir fällt mal wieder die Decke auf den Kopf und willst mit deinen Freundinnen etwas unternehmen. Oma und Opa schauen in dieser Zeit zu deinem Kind.

Also immer dann, wenn du nicht bei deinem Baby sein kannst, benötigt dein Baby Muttermilch aus der Flasche. Diese musst du zuvor abpumpen. Das geht am einfachsten mit einer Milchpumpe.

Wofür ist ein Still-BH gut?

Ein Still-BH erleichtert dir das Stillen enorm. Denn du musst nicht den ganzen BH ausziehen, um deinem Baby die Brust zu geben. Still-BHs haben eine Klappe, die du öffnen kannst. Dadurch wird die Brustwarze frei zugänglich für dein Baby.

Hier gehts zu unserem ausführlichen Beitrag über Still-BHs.

Benötige ich einen Stillplan?

Bei Neugeborenen: Ganz klares Nein. Neugeborene benötigen 24/7 Zugang zu Muttermilch. Wann sie wollen und so oft sie wollen.

Bei etwas älteren Babys kann ein Stillplan Sinn machen. Besonders wenn es ums Abstillen geht. Aber bitte beginne damit nicht zu früh.

Muss ich meinem Baby in den ersten paar Monaten Wasser geben?

Nein. Dein Baby benötigt in den ersten 6 Monaten kein Wasser. Muttermilch alleine ist ausreichend.

Erst ab 6 Monaten kannst du deinem Liebling Beikost geben. Und damit natürlich auch abgekochtes Wasser.

Wann sollte ich mit dem Abstillen beginnen?

Beim Stillen gilt: Je länger desto besser. Die WHO empfiehlt sogar, das Kind bis zum Alter von 24 Monaten teilweise zu stillen.

Bis zum Alter von 6 Monaten solltest du nur Stillen. Also kein Babybrei. Und auch keine feste Nahrung. Nur Muttermilch. Oder Pre, wenn das mit der Muttermilch nicht klappt. Dass sich in den westlichen Ländern 63% der Mamas nicht an diese Empfehlung der WHO halten, ändert nichts daran, dass es wichtig ist. (2)

Es ist deine Entscheidung, ob du abstillen willst. Oder ob du so lange weiter stillen willst, bis dein Kind von selbst weniger Interesse an der Muttermilch zeigt. Es gilt: je später desto besser. Und es soll auf keinen Fall vor 6 Monaten geschehen. Ich habe bei Noah erst mit 11 Monaten begonnen, das Stillen zu reduzieren.

Wann kann ich nachts Abstillen?

Nachts durchschlafen ist wohl das Bedürfnis der meisten Mamas. In den ersten drei Monaten ist die Nachtmahlzeit für dein Baby aber enorm wichtig. Und eigentlich auch danach noch.

Es ist deshalb empfehlenswert, die Stillmahlzeiten in den erstenDeswegen solltest du erst ab ungefähr 3 Monaten ans Nachts Abstillen denken.

Nachts Abstillen heisst aber nicht, dass du deinen Schatz um 8 ins Bett stecken kannst und dann die nächste Mahlzeit um 6 Uhr morgens ist. Die meisten Babys ab 3 Monaten schaffen ungefähr 5 bis 6 Stunden ohne Mahlzeit. Zum Beispiel von Mitternach bis 6 Uhr früh.

Wie lange dauert Abstillen?

Das ist sehr individuell. Und das ist auch gut so. Denn Babys sind nun mal individuell. Am besten ist es so oder so, wenn die Initiative fürs Abstillen vom Kind aus kommt.

Manche Quellen erwähnen, dass es eine Woche dauert, bis eine Stillmahlzeit durch Brei oder sonstige Nahrung ersetzt ist. Ich halte das für viel zu kurz. Denn das geht nur, wenn ordentlich Druck im Spiel ist. Aus meiner Sicht nicht empfehlenswert.

Der ganze Prozess des Abstillens kann mehrere Monate oder gar mehr als ein Jahr dauern. Bei mir waren es ungefähr 6 Monate. Es ist wichtig dass du deinem Baby für diesen Prozess soviel Zeit lässt wie es braucht. Ansonsten ist es überfordert und könnte Schaden nehmen.

Darf ich mich während der Stillzeit impfen lassen?

Für folgende Impfungen ist das möglich:

Cholera, COVID-19, Dengue, Diphtherie, FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), Hepatitis A/B, Gürtelrose, Grippe (Influenza), HPV, Japanische Enzephalitis, Kinderlähmung (Polio), Masern, Meningokokken, Mumps, Pertussis (Keuchhusten), Pneumokokken, Rotaviren, Röteln, Tetanus
Tollwut, Tuberkulose, Varizellen (Windpocken)

Auf die Gelbfieberimpfung solltest du in der Stillzeit verzichten. Denn dort sind unerwünschte Nebenwirkungen beim Kind bekannt.

Quelle: (4)

Darf ich Stillen während ich krank bin (Grippe, Infekt, usw.)?

Ja, du darfst weiterhin Stillen. Dein Baby erhält mit der Muttermilch die notwendigen Antikörper gleich mitgeliefert.

Darf ich während dem Stillen Alkohol konsumieren?

Die Wissenschaft ist sich in dieser Frage uneinig. Am sichersten für dein Baby ist es, wenn du auf Alkohol verzichtest. Wenn du trotzdem mal ein Gläschen trinken willst, kannst du ja die Milch am Vortag abpumpen.

Im Kühlschrank aufbewahrt oder gar tiefgefroren ist die Milch haltbar. Das ist die sicherste Methode.

Darf ich während der Stillzeit Kaffee trinken?

Kaffee, einige Teesorten (Schwarztee, Grüntee, etc. ) aber auch einige Energy Drinks enthalten Koffein. Dieses erhöht den Puls, den Blutdruck und macht wach und lebendig.

Koffein geht in die Muttermilch über. Wenn du Koffein konsumiert hast, bekommt dein Baby also auch etwas davon ab. Deswegen ist die Empfehlung, nur wenig Koffein zu konsumieren. Ein Kaffee oder zwei Tassen Tee pro Tag gelten als harmlos.

Referenzen

(1) https://www.cdc.gov/breastfeeding/faq/index.htm#:~:text=WHO%20also%20recommends%20exclusive%20breastfeeding,for%20at%20least%201%20year.
(2) https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26869575/
(3) https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/infant-and-young-child-feeding
(4) https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/AllgFr_AllgemeineFragen/FAQ08.html
(5) https://www.cdc.gov/nutrition/infantandtoddlernutrition/breastfeeding/how-much-and-how-often.html

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