Was ist eine Doula Geburtsbegleiterin? (mit Interview)

Wusstest du, was der Unterschied zwischen einer Doula und einer Hebamme ist? Hier gibts die Antworten. Und ein Interview mit einer Doula.

Eine Doula Geburtsbegleiterin. Genau das hätte ich mir rund um die Geburt meines Sohnes Noah auch gewünscht. Aber damals wusste ich gar nicht, dass es solche Angebote gibt. Arzt und Hebamme, das war allen bekannt. Aber eine Doula?

Nun, ein paar Jahre sind vergangen und der Begriff «Doula» ist bekannter geworden. Mit einer Doula steht werdenden Mamas vor, während und nach der Geburt eine professionelle Geburtsbegleiterin zur Seite.

Dass dies heute Realität ist, verdanken wir nicht zuletzt dem engagierten Verein «Doulas in Deutschland». Im zweiten Kapitel dieses Beitrags findest du ein Interview mit Melanie Schöne, Gründerin dieses Vereins.

Was ist eine Doula

Eine Doula begleitet eine werdende Mama vor, während und nach der Geburt. Sie ist eine persönliche Geburtsbegleiterin. Eine Doula hat während der Zeit der Begleitung folgende Aufgaben:

  • Die Geburtsbegleiterin sorgt für die emotionale Unterstützung der werdenden Mama.
  • Sie zeigt auf, wie Stress, Unsicherheiten und Ängsten begegnet werden können.
  • Eine Doula sorgt für ein Gefühl der Geborgenheit.
  • Sie erklärt, wie auf Wehen und Geburtsschmerzen reagiert werden kann.
  • Sie gibt Tipps zur Verbesserung des seelischen und körperlichen Wohlbefindens.
  • Sie ist Zuhörerin für die werdenden Eltern. Sie ermutigt, begleitet und unterstützt.
  • Bei bedarf kann eine Doula auch eine entspannende Massage geben.

Eine Doula führt keine medizinischen Tätigkeiten durch. Sie führt also keine Untersuchungen durch und gibt auch keine Medikamente ab.

Interview mit Melanie Schöne von Doulas in Deutschland e.V.

Julia Berger: Frau Schöne, Doulas ist vielen Personen kein Begriff. Ganz im Gegensatz zu einer Hebamme. Warum ist das so?

Melanie Schöne: Historisch gesehen gab und gibt es in vielen Kulturen ergänzend zur Hebamme erfahrene Begleiterinnen.

Erst in den 1970er Jahren wurde der Begriff der „Doula“ zuerst in den USA geprägt. Man hat dort in ersten Studien den Effekt einer kontinuierlichen Geburtsbegleitung durch eine vertraute, nicht dem Kliniksystem angehörende Person nachgewiesen, die nur den Wünschen und Bedürfnissen der Frau dient und sie in dieser besonderen Zeit unterstützt.

Doula ist altgriechisch und wird frei mit „Dienerin der Frau“ übersetzt. Seit Anfang der 2000er Jahre wächst die Anzahl der Doula Geburtsbegleiterinnen auch in den deutschsprachigen Ländern.

Und natürlich ist die Öffentlichkeitsarbeit ein wichtiger Bestandteil unserer Vereinsarbeit, sodass alle Schwangeren von der Möglichkeit erfahren, dass sie eine Doula Geburtsbegleiterin engagieren können.

Melanie Schöne

Melanie Schöne

Meine Interviewpartnerin Frau Schöne ist Gründerin des Vereins «Doulas in Deutschland». Sie ist seit 2006 selber als Doula tätig und bietet seit 2008 Aus- und Fortbildungen für Doulas an. Daneben ist sie Buchautorin («Doula-Wissen rund um die Geburt*») und hat einen Dokumentarfilm gemacht («Hausgeburt – einfach friedlich gebären»)

Frau Schöne ist verheiratet, Mama von zwei Kindern und lebt im Raum Karlsruhe.

Welche Aufgaben übernimmt eine Doula Geburtsbegleiterin, welche eine Hebamme nicht ausführt?

Sie lernt die Frau und ihren Partner während der Schwangerschaft kennen und hat zum Ziel, die Eigenkompetenz und die Selbstbestimmung der Frau zu stärken.

Sie informiert über alle relevanten Themen, sodass die Schwangere gut informiert und kompetent eigene Entscheidungen treffen kann. Allzu oft berichten Frauen nach der Geburt ihres ersten Kindes: „Hätte ich das früher gewusst…“.

Die fundierte Aufklärung über die Abläufe im Körper während der Geburt, praktische Übungen und das Stärken der Intuition stehen bei den Vortreffen und während der Geburtsreise im Vordergrund.

Die Doula gibt keinen Weg vor. Sie begleitet jede Frau und ihren Partner auf dem von ihnen gewählten Weg. Doulas sind frei und unabhängig und nicht an Klinikvorgaben und ein Schichtsystem gebunden.

So begleiten Doulas im Vergleich zu Klinikhebammen als vertraute Person kontinuierlich die Geburtsreise, während die Hebamme dem Schichtdienst unterliegt und häufig mehrere Frauen gleichzeitig betreut.

Alle medizinischen Belange liegen in der Hand der Hebamme und ÄrztInnen, die dafür ausgebildet sind. Die Doula ist kein Ersatz für eine Hebamme, sie ist eine Ergänzung mit eigenen Schwerpunkten in ihrer Dienstleistung für Mütter und ihre Partner.

Eine Doula Geburtsbegleiterin sorgt für dein seelisches und körperliches Wohlbefinden.
Eine Doula Geburtsbegleiterin sorgt für dein seelisches und körperliches Wohlbefinden.

Für welche Mütter macht es speziell Sinn, eine Doula zu engagieren?

  • Für alle, die sich ein PLUS an Unterstützung und Support rund um die Geburt wünschen.
  • Für Mütter, die eine traumatische Geburt erlebten und jetzt wieder schwanger sind.
  • Für alle Schwangeren, die sich zusätzlich zu ihrem Partner eine geburtserfahrene Begleitung wünschen, die ihren Wünschen und Bedürfnissen dienen und so auch ihr Partner mal eine Auszeit nehmen kann.

Welche Kosten kommen auf eine Mutter zu, wenn sie eine Doula beizieht?

Das klassische Rundum-Angebot der Doula Geburtsbegleiterin sieht nach einem unverbindlichen ersten Kennenlernen folgendes vor:

  • Während der Schwangerschaft 2-3 Termine zur Einstimmung auf Geburt und Familienzeit vor.
  • Um den erratenen Geburtstermin ist die Doula 24/7 in Rufbereitschaft (die meist 10 Tage vor ET beginnt).
  • Begleitet die Geburtsreise kontinuierlich von den ersten Wehen bis das Baby geboren ist. Natürlich an dem von der Frau gewählten Geburtsort.
  • Abschließend folgen 1-2 Besuche nach der Geburt im Wochenbett.

Je nach Umfang des Angebots beläuft sich das Honorar auf durchschnittlich 700-1.200 €. Als freiberuflich selbständige Geburtsbegleiterin ist die Doula nur der Frau verpflichtet, die sie engagiert. Sie wird sich rund um die Geburt um die Erfüllung ihrer Wünsche und Bedürfnisse kümmern.

Können die Kosten über die Krankenversicherung abgerechnet werden?

Hat die Schwangere den Wunsch, dass eine ihr bekannte und vertraute Person bei der Geburt anwesend ist, kann sie eine Beleghebamme suchen.

Sollte sie keine in ihrer Umgebung finden, kann sie bei ihrer Krankenkasse anfragen, ob die Kosten für die Rufbereitschaft der Doula (250 €) von der Krankenkasse übernommen werden.

Also in Absprache und in besonderen Fällen kann ein Teil des Honorars der Doula von der Krankenkasse übernommen werden.

Doulas in Deutschland e.V.

Der Verein «Doulas in Deutschland» ist ein Netzwerk von ausgebildeten Doulas und besteht seit 2008. Der Verein ist einerseits in der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Andererseits zertifiziert er aktive Doulas und bietet Fortbildungskurse an.

Für dich als (vielleicht werdende) Mama interessant: Auf der Website von Doulas in Deutschland kannst du eine Doula in deiner Nähe finden.

Können Sie ein berührendes Erlebnis aus Ihrer Tätigkeit als Doula erzählen?

Jede Begleitung ist einzigartig und enthält viele berührende Momente. Da kann und möchte ich gar keines hervorheben.

Ich bin immer wieder berührt von dem Wunder, wenn eine Frau aus ihrer eigenen Kraft heraus mit möglichst wenig Störungen von außen ihr Kind gebärt. Aktiv und selbstbestimmt.

Diesen kraftvollen und magischen Moment wird sie ihr Leben lang erinnern. Sicherlich ist eine selbstbestimmte Geburt unbestritten auch eine wichtige Basis für eine gelingende Mama-Kind-Bindung. Diese Bindung zwischen Mutter und Kind hat sicher auch einen präventiven Charakter bezüglich postnatalen Depressionen, von denen jährlich laut Statistik über 100.000 Frauen in Deutschland nach der Geburt betroffen sind. (1)

Ich wünsche jeder Frau nach der Geburtsreise ihres Kindes ein riesiges Gefühl von Stolz auf sich selbst und diese unglaubliche Leistung, ein Wunder vollbracht zu haben. Nämlich die nächste Generation zu gebären.  

Von unserer Gesellschaft wünsche ich mir eine größere Anerkennung für Mutterschaft/Elternschaft und ein höheres Maß an Unterstützung für Mütter, Väter und Kinder. Denn sie bilden die Basis für die Weiterentwicklung  in die Zukunft unserer Gesellschaft.

Vielen Dank Frau Schöne für das Interview.

Und was sagst du dazu?

Und wie sind deine Erfahrungen mit Doulas, Hebammen und den begleitenden Ärzten? Schreib mir doch deine Meinung (julia@wearemoms.de) oder diskutiere darüber auf der WeAreMoms.de-Facebookseite.

Referenzen

(1) https://schatten-und-licht.de/

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