Traditioneller Babybrei oder Beikost nach BLW?

Was hat es mit Beikost nach BLW auf sich? Besteht wirklich akute Erstickungsgefahr? Hier gibts die häufigsten Vorurteile auf dem Prüfstand.

Babybrei oder Fingerfood als Beikost. Traditionelle Ernährung oder BLW (Baby Led Weaning). Das sind derzeit viel diskutierte Themen unter jungen Mamas. Ist BLW wirklich so viel besser als das traditionelle Modell? In manchen Communities bekommen man dieses Gefühl.

Mein Sohn Noah hat wie die meisten Kinder mit etwa 6 Monaten Babybrei als Beikost erhalten. Und zwar traditionell. Das ist Brei mit dem Löffel gefüttert. Am Anfang hat er diesen abgelehnt. Irgendwie verständlich. Denn alles was er kannte, war ja Muttermilch.

Mit viel Liebe und Geduld hat er dann trotzdem probiert. Und ist auf den Geschmack gekommen. Mit 11 Monaten ließ sein Interesse an Muttermilch schon so stark nach, dass er die feste Nahrung der Muttermilch vorgezogen hat. Werde ich bei meinem nächsten Kind BLW statt Löffelfütterung machen? Ich weiss es noch nicht 🙂

In diesem Beitrag bekommst wird traditioneller Babybrei und Beikost nach BLW gegenübergestellt. Und die häufigsten Vorurteile gegenüber BLW kommen auf den Prüfstand.

Was sollte ein Baby essen?

Die Nahrungsmittel für ein Baby oder Kleinkind kann man grob in folgende Kategorien einteilen:

  • Muttermilch ist die bevorzugte Kost. Bis zum Alter von etwa 6 Monaten benötigt dein Baby nichts anderes. Kein Wasser, keinen Babybrei und schon gar keine Kuhmilch. Nur Muttermilch.
  • Milchersatz (auch bekannt als Pre-Milch, 1er Milch, Anfangsmilch) sollte dein Baby nur dann erhalten, wenn du nicht in der Lage bist zu stillen. Obwohl Milchersatz der echten Muttermilch recht nahe kommt, ist es trotzdem nur die zweitbeste Lösung. Zudem sind nicht immer alle Produkte einwandfrei.
  • Folgemilch (auch bekannt als 2er Milch, 3er Milch) ist für Babys ab 6 Monaten (2er Milch) bzw. ab 12 Monaten (3er Milch). Die Zusammensetzung von Folgemilch entspricht nicht mehr der natürlichen Muttermilch. Deshalb solltest du diese Milch, wenn überhaupt, keinesfalls zu früh geben.
  • Babybrei oder Fingerfood sollte dein Baby ab ungefähr 6 Monaten zusätzlich zur Muttermilch bekommen. Diese Beikost wird notwendig, weil dein Baby mit 6 Monaten mehr Energie, Vitamine und Mineralien benötigt als du ihm mit der Muttermilch geben kannst. Wichtig dabei: Der Brei ist nur Beikost. Du kannst und solltest dein Baby weiterhin stillen. Und zwar so lange wie möglich.
  • Industrieller Babybrei ist eine Alternative zum hausgemachten Babybrei. Ob du lieber frisch kochst oder nicht, ist natürlich deine persönliche Entscheidung. Und hat auch damit zu tun, ob du für dich selbst die Sugo frisch kochst oder die gekaufte Sauce aus dem Glas nimmst.

Ab wann kann mein Baby Brei oder Fingerfood essen?

Mit ungefähr sechs Monaten sollte dein Baby Beikost erhalten. Weil dann die Energie der Muttermilch nicht mehr ausreicht, um den Bedarf deines Babys zu decken.

Manche Babys sind bereits früher für feste Beikost bereit, andere etwas später. Anzeichen oder Voraussetzungen, dass dein Baby Breikost oder Fingerfood essen kann sind:

  • Dein Baby kann aufrecht sitzen. In der Liegeposition würde es sich mit fester Nahrung sofort verschlucken. Ist ja bei uns Erwachsenen auch so 🙂
  • Der Zungenstoßreflex ist nur noch schwach vorhanden. Dieser tritt bei kleinen Babys automatisch auf, wenn feste Nahrung in den Mund gelangt. Hat es diesen Reflex noch, ist es zu früh für feste Nahrung.
  • Dein Baby wird immer neugieriger und nimmt Gegenstände in den Mund, um sie zu erforschen.

Wie füttere ich mein Baby?

In der Zeit des ausschließlichen Stillens hat dein Baby die Nahrungsaufnahme selbst gesteuert. Bei Hunger hat es sich bemerkbar gemacht und bekam die Brust. Sobald es satt war, hat es einfach mit dem Trinken aufgehört.

Mit dem Füttern von Beikost ab dem 6. Monat ändert sich diese Vorgehensweise bei vielen Mamas. In diesem Alter kann noch kein Baby selbständig mit dem Löffel essen. Deshalb füttern viele Mamas das Baby mit dem Löffel. Das Baby wird also gefüttert. Bei dieser traditionellen Methode verliert das Baby also einen Teil der Kontrolle.

Um dem entgegen zu wirken findet seit einigen Jahren BLW (Baby Led Weaning) starke Verbreitung. Grundsatz ist, dass das Baby oder Kleinkind selbst entscheidet, in welchem Tempo und wieviel es essen will. Dadurch muss es natürlich auch selbst das Essen zum Mund führen (können).

Die Ernährungsmethode aus BLW: Das Kind selbst essen lassen

Bei dieser Ernährungsmethode nimmt das Baby aktiv einen Platz am Familientisch ein. Dabei führt es das Essen selbständig zum Mund. Bei Brei ist das aber halt nicht so einfach. Deswegen bekommt das Baby hier meist Fingerfood. Oft dasselbe, was auch die anderen Familienmitglieder essen.

Einige Vorteile von dieser Methode sind:

  • Eine Überfütterung ist fast unmöglich. Denn dein Kind hört automatisch auf mit Essen, sobald es satt ist.
  • Dein Baby lernt früh Verantwortung für sein Essen zu übernehmen.
  • Das selbständige Essen-zum-mund-Führen fördert die motorische Entwicklung des Kindes.
  • Das gemeinsame Essen am Familientisch ist eine wichtige soziale Komponente. Das Kind fühlt sich dazugehörig.
Beim Baby Led Weaning (BLW) isst dein Kind selbstständig. Und zwar meist dasselbe wie die Erwachsenen. Und nimmt aktiv einen Platz am (oder wie hier auf ;-) ) Familientisch ein.
Beim Baby Led Weaning (BLW) isst dein Kind selbstständig. Und zwar meist dasselbe wie die Erwachsenen. Und nimmt aktiv einen Platz an dem (oder wie hier auf dem 😉 ) Familientisch ein.

Die Traditionelle Methode: Das Baby mit dem Löffel füttern

Das Füttern mit dem Löffel ist nach wie vor die verbreitetste Methode. Auch diese Methode hat ein paar Vorteile:

  • Hat dein Baby vielleicht noch etwas Mühe mit Fingerfood? Dann kannst du ihm einfach Brei geben. Im Löffel findet er den Weg trotzdem in den Mund deines Babys.
  • Du als Mama hast besser unter Kontrolle, wieviel dein Baby nun isst. Immerhin besteht bei der BLW-Methode ein höheres Risiko für Untergewicht. (2)
  • Die Unordnung nach dem Essen ist weniger ausgeprägt wie bei der BLW-Methode. Denn dort landet nur ein kleiner Anteil der Nahrung im Mund. Der Rest verteilt sich auf dem Lätzchen, den Kleidern, dem Stuhl und auf dem Boden.
Bei der traditionellen Methode füttert die Mama oder der Papa das Kind. Mit oder auch ohne Löffel.
Bei der traditionellen Methode füttert die Mama oder der Papa das Kind. Mit oder auch ohne Löffel.

BLW oder Traditionell? Welche Methode ist besser?

Nicht nur unter Mamas, auch in der Wissenschaft werden die Vor- und Nachteile von BLW gegenüber der traditionellen Ernährung diskutiert. Ich wollte es einfach mal genau wissen. Und habe recherchiert. Hier findest du einige der häufigsten Fragen / Vorurteile gegenüber BLW.

Erhöht BLW das Risiko des Verschluckens?

Diesen Vorwurf hört man gegenüber BLW oft. Denn anders als bei der traditionellen Ernährung wird bei BLW auf Brei verzichtet und auf Fingerfood gesetzt. Und wenn so ein Stück Karotte halt nicht genügend zerkleinert in den Hals rutscht. Ja dann ist es vielleicht unangenehmer als wenn es der halbflüssige Karottenbrei ist.

Aber es gibt Entwarnung: Gleich zwei Studien (3, 4) haben gezeigt, dass das Verschlucken mit Erstickungserscheinungen bei BLW und traditionell gefütterten Babys gleich häufig auftaucht. Nämlich ungefähr bei jedem siebten Baby.

Verursacht BLW Verzögerungen beim Wachstum?

Bei der Ernährung nach der BLW Methode essen die Babys selber. Sie werden nicht wie bei der traditionellen Methode mit dem Löffel gefüttert. Kritiker werfen Baby Led Weaning das Verursachen von Verzögerungen beim Wachstum vor. Denn durch die selbst gesteuerte Nahrungsaufnahme würden Babys zu wenig essen.

Aber auch hier ist die Antwort auf die Eingangsfrage ein Nein. Eine neuseeländische Studie mit 206 Babys zeigte beim Wachstum keine signifikanten Unterschiede zwischen Babys mit traditioneller Fütterung und solchen nach der BLW Methode (5).

Hat BLW einen positiven Effekt auf das (spätere) Gewicht?

Der positive Effekt auf das Gewicht ist eines der Hauptargumente der BLW Verfechter. Denn dadurch dass das Kind selbst isst, hört es rechtzeitig auf und wird nicht übersättigt. Dies führe zu einem besseren Sättigungsgefühl. Und dadurch könne das Risiko für Fettleibigkeit verkleinert werden.

Aber stimmt das auch? Eine englische Studie brachte 2013 spannende Ergebnisse hervor (6). Gemäss der Studie gilt für Kinder, die mit der BLW-Methode ernährt wurden, im Alter von 18-24 Monaten folgendes:

  • Sie haben ein signifikant höheres Sättigungsgefühl als traditionell ernährte Kinder.
  • Die Kinder sind weniger wählerisch beim Essen.
  • Sie wiegen im Durchschnitt weniger.

Die neuseeländische Studie (5) sieht beim Gewicht allerdings keinen Unterschied. Und beim Sättigungsgefühl kommt sie zum gegenteiligen Schluss: Traditionell ernährte Kinder hätten ein höheres Sättigungsgefühl.

Nun, das ist sich die Wissenschaft offenbar nicht ganz einig.

Hat BLW einen Einfluss auf die Qualität der Babynahrung?

Bei der traditionellen Fütterung besteht die Beikost oft aus Babybrei (hausgemacht oder gekauft). Dieser ist speziell für das Kind zubereitet und abgestimmt.

Beim BLW jedoch isst das Baby sehr oft das gleiche Essen wie die übrigen Familienmitglieder. Dieses Essen ist aber aufgrund hoher Salz- und Zuckeranteile nicht unbedingt für Kleinkinder geeignet. Das Kind kann sich an Salz und Zucker gewöhnen. Erkrankungen können die Folge sein. Dies wurde in einer Studie aus Neuseeland auch tatsächlich festgestellt (7).

Tipp

Wenn dein Baby oder Kleinkind das gleiche Essen erhält wie du, dann solltest du möglichst zuckerfrei und salzarm kochen.

Das ist meine Meinung

Nach den obigen wissenschaftlichen Studien scheint BLW gegenüber der traditionellen Ernährung weder physiologische Vor-, noch Nachteile zu haben.

Ich vermute, der Vorteil von BLW liegt langfristig in der psychischen Entwicklung des Kindes. Selbstbestimmtes Essen erzeugt gegenüber dem Kind weniger Druck. Das Machtgefälle ist kleiner. Und gemeinsam am Familientisch zu sitzen ist schöner.

Entscheiden muss es jede Mama für sich. Und keine Mama sollte sich für ihre Entscheidung rechtfertigen müssen. Denn wie so oft gilt auch in dieser Frage: Es gibt weder richtig noch falsch.

Und was ist deine Meinung zu diesem brennenden Thema?

Referenzen

(1) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5934812/
(2) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4400680/
(3) https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29205569/
(4) https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27647715/
(5) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5710413/
(6) https://europepmc.org/article/med/24347496
(7) https://ourarchive.otago.ac.nz/handle/10523/6041

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