Ein paar simple Tricks zum Stillen in der Öffentlichkeit

Stillen in der Öffentlichkeit braucht anfangs etwas Mut. Wir zeigen dir hier, wie du den schiefen Blicken begegnest.

Wir leben in einer aufgeschlossenen, modernen und freien Welt. Sexualität ist gesellschaftsfähig geworden. Im Alltag, vor allem in der Werbung, begegnen uns Bilder in der Öffentlichkeit von halb nackten Frauen und Männern. Das Foto einer nackten Brust erschüttert heute keinen mehr.

Und doch ernten Mütter beim Stillen in der Öffentlichkeit oft schiefe Blicke. Und das, obwohl sie nicht ihre ganze Brust zeigen. Was Ende der 60er bis hinein in die 80er normal war, ist irgendwie verloren gegangen. Sein Baby in der Vorlesung, auf der Party und auch sonst überall zu stillen, gehörte dazu.

Leider erhalten Mütter aber heutzutage oft wenig Verständnis und werden sogar beschimpft, wenn sie ihr Baby in der Öffentlichkeit stillen. Das musste auch ich während meiner Stillzeit erfahren.

Der perfekte Platz zum Stillen in der Öffentlichkeit

Manche Babys trinken nicht gerne, wenn es zu laut um sie herum ist. Wenn du unterwegs bist, schau dich also frühzeitig nach einem geeigneten Platz um.

Vielleicht kannst du schon während der Schwangerschaft entsprechende Orte in der Öffentlichkeit suchen, die für das Stillen geeignet sind. Während der warmen Jahreszeiten dürfte dir das nicht schwer fallen. Parkbänke und öffentliche Spielplätze findest du in jeder Stadt oder Gemeinde.

Ich habe in meiner Stillzeit oft Kirchen genutzt. Meist haben die einen kleinen Park mit ein, zwei Bänken. Rund um Kirchen ist es zudem oft ruhig.

Eine Grünfläche im Stadtpark, vielleicht unter einem Schatten spendenden Baum, lädt ebenfalls ein. Etwas abseits vom Trubel kannst du es dir mit deinem Baby gemütlich machen. In der Öffentlichkeit und trotzdem ruhig.

In den kalten Monaten sieht das leider anders aus. Zum Stillen in der Öffentlichkeit eine ruhige Ecke zu finden, ist nicht immer leicht.

  • Stillzimmer.

    Manche Geschäfte bieten Stillzimmer an.
  • Umkleidekabine.

    Wenn du keine passende Sitzecke findest, könnte eine Umkleidekabine die Lösung sein. Nicht die erste Wahl zum Stillen in der Öffentlichkeit, aber abgeschirmt.
  • Café, Eisdiele oder Buchladen.

    Eine andere Alternative ist ein Café, die Eisdiele oder ein Buchladen. Während du einen Cappuccino genieß oder in einem Roman schmökerst, kannst du dein Baby anlegen.

Rechtliche Situation:

Stillen in der Öffentlichkeit unterliegt dem Hausrecht. Der Besitzer des Café, der Eisdiele, des Buchladens und anderer öffentlich zugänglicher Orte darf das Stillen untersagen. Dagegen kämpft der Deutsche Hebammenverband seit Jahren an. Bisher aber ohne Erfolg.

Was bedeutet das für dich? Wenn du einen Platz zum Stillen in der Öffentlichkeit suchst, frag den Inhaber des jeweiligen Geschäftes, ob es für ihn okay ist. So bist du auf der sicheren Seite. Denn ist der Chef einverstanden, kann keiner der Angestellten dich raus werfen. Oder gar aufs Klo verbannen. Sollte doch mal jemand so dreist sein, frag einfach: “Würden Sie Ihr Essen auch auf der Toilette zu sich nehmen?”

Die rechtlichen Details wenn du es genau wissen willst:

“Wie es in einem Bericht der Bundesregierung heißt, kann der Gastwirt von seinem Hausrecht aber dann ‘relativ freien’ Gebrauch machen, wenn es noch zu keinem Bewirtungsvertrag gekommen ist. Das bedeutet, der Betreiber muss die Mütter über das geltende Hausrecht aufklären, bevor eine Bestellung aufgenommen wurde. Ist das aber bereits passiert, müssen “besonders gewichtige Gründe” vorliegen, um Müttern das Stillen in der Gaststätte zu verbieten.

Ein Stillverbot ist also nur dann durch das Hausrecht gedeckt, wenn der Gastwirt “eine konkrete Beeinträchtigung des Betriebs oder anderer Gäste zu befürchten hat” – oder wenn er die Gäste bereits vor der Bestellung auf seine Hausordnung hingewiesen hat.”

Quelle: https://bnn.de/karlsruhe/wenn-muetter-in-der-oeffentlichkeit-stillen-wer-diskriminiert-hier-eigentlich-wen

Achte beim Stillen auf deine Kleidung

Das Wichtigste zuerst: Ein guter Still BH muss sein. Er sollte bequem sitzen, für dich leicht zu öffnen und ohne Bügel sein. Damit es unkompliziert und schnell geht, wenn du in der Öffentlichkeit unterwegs bist.

Die Auswahl an Kleidung für Stillende ist immens. Von Festlichem bis zum Nachthemd ist alles für dich dabei. Aber es muss nicht immer spezielle Stillkleidung sein. Natürlich ist diese praktisch, vor allem zum Stillen in der Öffentlichkeit.

Denn:

  • Vielleicht kannst du auch das ein oder andere

    Oberteil deiner Umstandsmode

    weiter nutzen.
  • Eine

    Bluse mit Knöpfen

    oder das Shirt mit V-Ausschnitt eignen sich auch. Zum Stillen legst du damit die Brustseite frei und du kannst dein Baby problemlos anlegen.
  • Wenn dir das zu offenherzig erscheint, kannst du auch den

    Lagen Look

    nutzen. Zum Beispiel ein lockeres Top mit einem Pulli drüber. Zum Stillen in der Öffentlichkeit den Pullover nur so weit wie nötig nach oben rollen. So zeigst du nicht zu viel Haut. Durch das Top bleibt dein Bauch bedeckt und dir wird nicht so schnell kalt.
  • Sehr beliebt und auch zu empfehlen sind

    große Tücher sowie breite Schals

    . Das funktioniert auch im Sommer. Ein leichtes Tuch um deine Schultern verbirgt euch vor zu neugierigen Blicken. So kannst du das Stillen in der Öffentlichkeit verschleiern. Für manche mag es dann aussehen, als schliefe das Baby auf deinem Arm.
  • Ein ähnliches Prinzip bietet dir eine Strickjacke mit

    Fledermaus Ärmeln

    . Durch den legeren Schnitt ist es leicht, dich und dein Baby zu verdecken.

Egal was du trägst, übe die Handhabung zu Hause. Am besten vor dem Spiegel. Dadurch kannst du dich selbst betrachten. Und du kannst die Kleider perfekt positionieren.

Lass dich beim Stillen nicht verunsichern

Du wirst wohl kaum das Glück haben, dass dir kein Gegner von Stillen in der Öffentlichkeit begegnet. Wenn dich jemand pikiert ansieht, oder gar beleidigt, lass es dich nicht kümmern.

  • Gerade in den ersten Wochen kann es helfen, wenn du dich einer Stillgruppe anschließt. Vielleicht kannst du dich auch mit Müttern treffen, die du aus dem Vorbereitungskurs kennst. Zusammen ist es leichter, die Gegner von Stillen in der Öffentlichkeit auszublenden.
  • Zudem kannst du von Tipps und Tricks der anderen lernen. Oder du hast selbst eine Empfehlung für eine Mutter, bei der das Stillen nicht so klappt. Sollte es in deiner Nähe keine solche Gruppe geben, bitte eine Freundin dich zum Stillen in der Öffentlichkeit zu begleiten. Eine Begleitung kann dich und dein Baby zusätzlich abschirmen.
  • Spielplätze sind auch gute Treffpunkte. Da kommst du schnell mit anderen Müttern in Kontakt. Und dort wird dich wohl kaum jemand schief ansehen, wenn du dein Baby anlegst. Für den Anfang ist das ein guter Ort, um das Stillen in der Öffentlichkeit zu üben. Es ist ein Ort für Familien und die Akzeptanz für das Stillen ist größer. Nebenbei kannst du Kontakte knüpfen. Du wirst sehen, dass das Stillen in der Öffentlichkeit mit jedem Mal leichter wird.

Darum ist Stillen wichtig, auch in der Öffentlichkeit

Du solltest keine Angst vor dem Stillen haben. Denn es ist die natürlichste Ernährung der Welt.

Es ist dein Recht, dein Baby zu stillen. Auch in der Öffentlichkeit. Nicht mitten auf dem Marktplatz natürlich. Etwas abseits und nur so freizügig wie nötig.

Das Stillen in der Öffentlichkeit ist auch ein intimer Vorgang, der Nähe und Bindung zu deinem Kind stärkt, aber auf Fremde nicht immer so wirkt. Lass dich davon nicht entmutigen. Denn du besitzt die praktischste Ernährung überhaupt. Du hast sie immer dabei. Sie ist immer richtig temperiert und bietet alle notwendigen Nährstoffe.

Das gute Gefühl, für dein Baby das Beste zu tun, ist inklusive. Lass dir das nicht von Nörglern vermiesen.

So lange du das Stillen in der Öffentlichkeit als natürliche Sache siehst, wird dich niemand davon abbringen können. Je mehr Übung du hast, umso leichter wird es dir fallen. Zudem wird die Routine dafür sorgen, dass du dein Baby unauffällig in der Öffentlichkeit anlegen kannst.

Fazit

Wenn du dein Baby überall stillst, bist du keine “Übermutter” die in der Öffentlichkeit für Aufmerksamkeit sorgen will.

Du bist fürsorglich und gibst deinem Kind das Beste für den Start ins Leben – deine Milch.

Und wie ist es dir ergangen? Welche Erfahrungen hast du mit dem Stillen in der Öffentlichkeit gemacht?

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