Abstillen. Mit diesen Tipps gehts wie von alleine.

Abstillen, wie lange dauert das? Wir geben dir hier Tipps dazu und verraten, ob die Gordon-Methode gefährlich ist.

Irgendwann gibts es von allem einen Abschied. Diesen Satz habe ich in meinem letzten Urlaub von einem Angestellten des Hotels gehört, als wir uns von ihm verabschiedet haben. Wie wahr das doch ist.

Und auch beim Stillen gibt es diesen Abschied. Er hat sogar einen Namen: Abstillen. Dieser Abschied ist aber ein freudiger. Denn er bedeutet, dass dein Baby sich erfreulich entwickelt und Breikost zu sich nehmen kann. Und für dich als Mama, dass du vielleicht bald wieder mal durchschlafen kannst.

Mit 11 Monaten hat Noah die erste Stillmahlzeit durch Breikost ersetzt. Ganz Schluss mit Muttermilch war dann nochmals ein halbes Jahr später. Abstillen ist nicht immer einfach. Zumindest war es das bei mir nicht. Mein Körper hat sich nur sehr langsam darauf eingestellt, weniger Milch zu produzieren.

Abstillen ja oder nein?

Die Frage, ob ein Baby überhaupt abgestillt werden soll, spaltet die Gemüter. Während in der Generation unserer Eltern und Großeltern nach ein paar Monaten abgestillt wurde, hat sich das heute verändert. Die WHO empfiehlt heute mindestens 6 Monate ausschließliches Stillen. (1)

Die aktuelle Forschung empfiehlt babygesteuertes Abstillen. Das bedeutet, dass dein Baby so lange Muttermilch trinkt wie es will. Denn irgendwann verliert jedes Baby das Interesse an der Brust und bevorzugt Brei oder auch schon feste Nahrung. Das kann mit 10 Monaten der Fall sein. Oder aber auch nach 15 oder 18 Monaten. Oder auch erst mit 2, 3 oder 4 Jahren. Es ist ganz individuell.

In der Realität sieht es leider manchmal anders aus. Nicht jede Mama kann 12, 18, 24 Monate oder noch länger stillen. Eine nationale Studie in der Schweiz hat 2012 gezeigt, dass 70% der Kinder mit 6 Monaten und 91% der Kinder mit 12 Monaten abgestillt waren (2). Gründe für ein frühes Abstillen können sein:

  • Die Mama ist aus medizinischen Gründen nicht in er Lage zu stillen.
  • Die Mutter ist erschöpft von den kurzen Schlafphasen. Nachts Abstillen ist vielleicht das kleinere Übel als eine Mama, die infolge Schlafmangel psychische Auffälligkeiten entwickelt.
  • Die Mama ist berufstätig. Eine Freundin von mir ist Uni-Professorin. Ihr Mann kümmert sich um den Haushalt. Meine Freundin ist etwa 60% ihrer Zeit auf Auslandreisen. Milch in ausreichender Menge abzupumpen ist da unmöglich.

Wenn dich nichts am Stillen hindert, solltest du auf jeden Fall so lange wie möglich stillen. Und nicht aus Bequemlichkeit frühzeitig abstillen.

Dieser Beitrag richtet sich deshalb an Mamas, welche aus irgendeinem Grund nicht das Privileg haben, lange Stillen zu können.

Wie geht Abstillen?

Abstillen durch Milchreduktion

Beim Stillen gilt: Die Nachfrage nach Milch bestimmt die Produktion. Wenn du dein Baby zum Beispiel 6 Mal pro Tag stillst, so produziert dein Körper auch Milch für 6 mal Stillen.

Wenn du nun von 6 mal Stillen auf 5 mal reduzierst, so reagiert dein Körper darauf. Es wird weniger Milch gebildet, was ein guter Anfang zum Abstillen ist. Stillmahlzeit um Stillmahlzeit wird weniger Milch gebildet.

Diese sanfte Art von Abstillen durch Reduzierung ist die von Hebammen und Ärzten empfohlene.


Wann beginnen mit dem Abstillen?

Ab dem fünften bis siebten Monat kannst du eine Mahlzeit deines Babys mit Brei ersetzen. Du kennst deinen Körper und dein Baby am besten und kannst entscheiden, welches der passende Zeitpunkt ist.

Viele Mütter finden den späten Nachmittag als Start zum Abstillen sinnvoll. Das Stillen hat die Brüste über den Tag soweit geleert, dass es keinen überschüssigen Druck gibt. Wenn du aber eine starke Milchproduktion hast, dann streiche den Druck aus.

Du kannst auch etwas Milch abpumpen – aber nicht zu viel. Sonst würde die Milchproduktion wieder ansteigen.

Solltest du trotzdem noch zu viel Milch bilden, ist das Abpumpen und Füttern mit der Babyflasche eine Alternative. Die Muttermilch ist dabei weiterhin die Nahrung für dein Baby.

Angenehmer Nebeneffekt beim Füttern mit der Milchflasche: Dein Partner oder eine andere Bezugsperson kann dein Baby füttern.

Abstillen: Babybrei statt Muttermilch
Abstillen: Babybrei statt Muttermilch

Wie lange dauert das Abstillen?

Der beste Weg abzustillen ist der natürliche, sanfte Weg. Er dauert zwar ein bisschen, ist aber schonend für dich und dein Baby.

Dass es nicht so schnell geht ist auch ganz gut. Denn ehe du dich versiehst, ist aus deinem schutzlosen Baby ein Entdecker geworden. Und sobald der kleine Mensch seine Welt zu entdecken versucht, ist auch die Zeit für Brei statt Muttermilch gekommen.

Natürlich nicht von heute auf morgen. Aber mal eine Stillmahlzeit durch Breikost ersetzen. Und nach einiger Zeit dann die nächste. So entwöhnst du mit jeder Mahlzeit dein Baby von der Brust. Darauf reagiert auch dein Körper. Die Dauer des Abstillens kannst du dabei so steuern, dass es für dich und dein Baby passt.

Meist dauert die Umstellung von ausschliesslichem Stillen bis zu nur noch einer Stillmahlzeit pro Tag ungefähr 3 bis 4 Monate. Dieses langsame Abstillen schont deinen Körper und gibt deinem Kind Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen.

Während einer erneuten Schwangerschaft weiter zu stillen ist übrigens problemlos.

Ist ein Geschwisterchen auf dem Weg? Dann empfiehlt es sich, 3 bis 4 Monate vor der Geburt abzustillen. Dadurch verhinderst du Eifersucht um deine Brust.

Diese Hausmittel helfen beim Abstillen

Beim Abstillen geht es ja nicht nur darum, deinen kleinen Schatz an Breikost zu gewöhnen. Nein, es geht auch darum, die Milchbildung deines Körpers zu reduzieren. Dabei gibts ein paar wirklich gute Tipps. Die funktionieren ohne viel Aufwand:

  • Trinke Tee statt Wasser. Salbei- und Pfefferminztee gelten als Milchhemmer. Je nachdem, was dir besser schmeckt, ist der Tee eine gute Unterstützung. Versuche den Tee gegen die tägliche Menge Wasser auszutauschen. So hast du genug Flüssigkeit, unterstützt dich selbst aber beim Abstillen.
  • Verwende Wickel. Quarkwickel helfen indem sie kühlen. Ähnlich wie Omas Hausmittel bei Sonnenbrand können die Wickel der vollen Brust Linderung geben. Kompressen mit Salbeitee oder Weißkohlblättern sind auch zu empfehlen beim Abstillen.
  • Trink weniger Flüssigkeit. Unterschreite die empfohlene Menge, aber nicht unter einem Liter am Tag trinken! Dadurch wird deine Milchbildung verlangsamt. Diesen Trick habe ich selbst angewendet und es hat enorm geholfen.
  • Versuche es mit pflanzlichen Mitteln. Pflanzliche Mittel (z.B. Phytolacca) können dir beim Abstillen helfen.
  • Deine Brust nur ausstreichen, nicht abpumpen. Wie schon erklärt würde das Abpumpen die Produktion erneut anregen und das Abstillen verzögern.
  • Trage keinen Still-BH mehr. Wahrscheinlich passt du in deine ‘alten und hübschen’ noch nicht rein, aber besorg dir ein, zwei neue in der aktuellen Größe. Der Sinn ist, dass der BH deine Brust ‘im Zaum’ hält und relativ eng sitzen sollte. Dadurch wird die Milchbildung verlangsamt. Aber Achtung: der BH darf nicht zu klein sein.
Tee verlangsamt die Milchproduktion
Pfefferminz- und Salbeitee sind bekannt dafür, die Milchproduktion zu verlangsamen.

Abstillen nach Dr. Gordon

Dr. Jay Gordon ist ein amerikanischer Kinderarzt. Er hat einen Plan für Eltern entwickelt, bei dem man in zehn Nächten sein Kind vom Stillen des nachts entwöhnen kann. Auf sanfte Art, ohne auf die körperliche Nähe, aber auf das Stillen zu verzichten. Dr. Gordon empfiehlt das Nachts Abstillen nur, wenn diese Vorgaben erfüllt sind:

  • Dein Baby ist mindestens ein Jahr alt und ist gesund.
  • Du und dein Partner solltet am gleichen Strang ziehen. Ihr müsst euch einig sein.


Wenn ihr beide euch wünscht, die nächtliche Situation zu ändern, dann wählt eine entspannte Zeit.

  • Urlaub
  • Keine Termine
  • Die Ferien älterer Geschwister
  • etc.

Bitte nicht Nachts abstillen, wenn dein Baby zahnt oder krank ist. Fühlt es sich für dich oder deinen Partner nicht gut an, brecht das Abstillen nachts ab.

Und so funktioniert nachts Abstillen nach Dr. Gordon


Die ersten drei Nächte

Versuche einen Zeitrahmen von 7 Stunden zu finden, indem du am besten schlafen kannst. Vielleicht ist das zwischen 23 Uhr Abends und 6 Uhr Morgens. Also stille dein Baby kurz vor 23 Uhr. Dein Baby schlummert dabei ein.

Wird es später wieder wach, tröste es, aber gib ihm nur die Brust wenn es nicht anders geht. Das Abstillen ist dein Ziel!

Und ganz wichtig: Dein Baby darf nicht beim Stillen nachts wieder einschlafen. Nur beim kuscheln oder auf dem Arm wiegen. Dabei ist es egal, ob es in einem eigenen Zimmer schlafen soll oder noch bei euch im Schlafzimmer ist. Das Baby soll lernen, dass es nachts auch ohne Mamas Brust wieder einschlafen kann.

Die Nächte 4 – 6

Das Abstillen geht weiter. Wie an den Tagen zuvor darfst du dein Kind Nachts beruhigen, aber nun gar nicht mehr stillen.

Vielleicht kann auch der Vater die beruhigende Rolle übernehmen. Manche Babys schlafen schnell wieder ein. Manche sind länger unruhig.

Werde nicht schwach, weil du selbst müde bist. Nehmt euren kleinen Schatz zur Not mit in euer Bett. Oft ist es einfach nur die Nähe, die fehlt.

Die Nächte 7 – …

Wenn du mit dem Abstillen bis hierher erfolgreich warst, kannst du auf die letzte Stufe übergehen. Nimm es nun während der Zeit zwischen 23 Uhr und 6 Uhr nicht mehr hoch.

In dem Zeitfenster gilt: nicht drücken, nicht stillen. Du darfst es aber streicheln und mit deinem Baby reden. Halte seine Händchen. Du darfst es beruhigen und wieder in den Schlaf wiegen.

Die Methode nach Dr. Gordon funktioniert nicht bei jedem Kind. Wenn du merkst dass es nicht geht: brich ab. Forciere auf keinen Fall etwas. Du könntest deinem Kind seelischen Schaden zufügen.

Wann benötige ich Medikamente zum Abstillen?

Die kurze Antwort ist: fast nie. Versuche Abstillen immer zuerst mit meinen oben genannten Tipps.

Für medizinisch indizierte Fälle gibt es Prolaktinhemmer. Sie hemmen wie ihr Name sagt die Produktion der Muttermilch und erzwingen damit das Abstillen. Die medikamentöse Hemmung ist allerdings von Fall zu Fall zu entscheiden. Nicht jede Frau verträgt die damit verbundene Hormonschwankung.

Verlustgefühle, Traurigkeit und auch Stress können die Folge sein. Daher ist die medikamentöse Variante zum Abstillen nicht ohne ärztlichen Rat zu empfehlen.

Meine Tipps zum Abstillen:

  • Abstillen im Einklang mit deinem Baby. Egal ob nach sechs, zwölf oder 18 Monaten. Den besten Zeitpunkt entscheidet ihr beide.
  • Überstürze nichts und lass dir Zeit. Natürliche Reduzierung der Milchmenge ist der beste Weg beim Abstillen.
  • Ersetze deine Nähe zum Baby mit der deines Partners. Die abgepumpte Milch aus der Flasche gibt dir mehr Freiheit und erleichtert das Abstillen für dich und dein Baby. Es lässt dabei gleichzeitig eine neue Nähe zwischen deinem Baby und deinem Partner zu.
  • Beginne mit nachts Abstillen. Das Abstillen in der Nacht ist der erste Schritt für dein Kind und dich. Wieder mehr Freiheit zu gewinnen beginnt mit gutem Schlaf.
  • Beifüttern am Tag. Neben dem Abstillen nachts ist das Beifüttern am Tag auch ein Schritt. Brei als erste feste Nahrung ist ein guter Einstieg.
  • Verstehe Abstillen als Wachstumsschub. Das Abstillen bedeutet nicht, dein Kind im Stich zu lassen. Ihr geht zusammen nur einen neuen Weg.
  • Lass dich von anderen nicht unter Druck setzen. Es ist dein Körper und dein Baby. Es gibt für kein ‘Stillpaar’ die perfekte Lösung.

Das meine ich dazu

Stillen ist etwas ganz besonderes. Für dich und dein Baby. Du gibst alle Abwehrkräfte aus deinem Immunsystem weiter. Die Nähe zu deinem Kind und die Geborgenheit die du gibst ist unbezahlbar. Deshalb sollte auch so lange wie möglich gestillt werden.

Aber alles hat ein Ende. Die Zeit zum Abstillen ist irgendwann da. Abstillen heißt nicht abgeben – nur weitergehen. Aus Babys werden Entdecker, Entdecker werden irgendwann groß. Manchmal schneller als man will.

Und wie ist deine Erfahrung zum Abstillen? Schreib mir doch auf julia@wearemoms.de oder auf Facebook.

Referenzen

(1) https://www.who.int/news-room/q-a-detail/breastfeeding
(2) https://www.bag.admin.ch/dam/bag/de/dokumente/npp/ernaehrung-bewegung/moseb/bereich-2/ind-2-7.pdf.download.pdf/ind-2-7-de.pdf

Findest du diesen Artikel nützlich?

Das könnte dich auch interessieren:

FAQ zum Thema Stillen
Hier findest du die wichtigsten Antworten rund ums Stillen. Zum Beispiel: Darf ich in der Stillzeit Kaffee trinken? Oder Wein und Bier?
Babybrei, Beikost und Baby Led Weaning
Was hat es mit Beikost nach BLW auf sich? Besteht wirklich akute Erstickungsgefahr? Hier gibts die häufigsten Vorurteile auf dem Prüfstand.
Muttermilch wird im Kühlschrank aufbewahrt
Muttermilch aufbewahren, geht das? Ohne dass die Qualität leidet? Ja. Es geht. Aber nur wenn du dies hier beachtest.
Milchbildung anregen und Milch in Milchflaschen abfüllen
Zuwenig Muttermilch kommt oft vor. Das ist aber kein Grund zur Panik. Wenn du diese 15 einfachen Tricks beachtest.
Mutter still Baby in der Öffentlichkeit
Stillen in der Öffentlichkeit braucht anfangs etwas Mut. Wir zeigen dir hier, wie du den schiefen Blicken begegnest.
Baby hebt eine Milchflasche. Blauer Hintergrund
Welche Babyflasche ist die beste? Wir haben die aktuellsten Milchflaschen getestet und zeigen dir, wo die Gefahren sind.
Scroll to Top